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Um die Dosis verschiedener Medikamente bestimmen zu können, oder den Anteil von Verbrennungen am Körper zu berechnen, braucht man die Körperoberfläche des Menschen.
Will man diese in Quadratmeter wissen, gibt es verschiedene Formeln, die man u.a. hier findet.

Mir gefällt die Formel nach Boyd am Besten, es ist die einzige mit einem Logarithmus in der Potenz:

ZitatKörperoberfläche [m2] = 0.0003207 x (Körpergröße [cm])^0,3 x Körpergewicht [g]^(0.7285 - 0.0188 x log(Körpergewicht[g]))

Natürlich stellt sich die Frage, ob es für die Praxis wirklich von Bedeutung ist, die Körperoberfläche so genau berechnen zu können. In ungefährem Maß ist es für Medikamentengaben sicherlich wichtig, doch darf man auch nicht vergessen, dass jeder Mensch unterschiedlich reagiert und die Dosis daher sowieso auf jeden Patienten individuell angepasst werden sollte.
Trotzdem find ich die Formeln cool... =)
Direktlink  Kommentare: 3 geschrieben von Xylo am Dienstag, 18.01.2011, 23:46
Eingeordnet unter: Allgemein, Interessantes, Medizin


Ab Jänner 2011 wird es in Österreich eine neue Apotheken-Hotline unter 1455 geben.
Da gibts z.B. Infos zu der nächsten, diensthabenden Nachtapotheke, was für akut unterwegs oder auf Urlaub ohne smartphone sicher ganz praktisch ist. Außerdem gibts auch Hilfe zu den Beipacktexten, was für ältere, sehbehinderte oder blinde Menschen auch nicht ganz unwesentlich ist!
Find ich gut, werd die Info dann sicher auch öfter im KTW-Dienst weitergeben...

ZitatAb Jänner 2011 bieten die Apotheken eine neue Telefonhotline an. Unter der einfach zu merkenden Nummer 1455 erhält jeder Anrufer rasch und unbürokratisch Auskunft über die nächste dienstbereite Apotheke, auf Wunsch sogar mit Wegbeschreibung. Die Apotheken-Hotline 1455 wird rund um die Uhr, 24 Stunden, 365 Tage lang erreichbar sein. "Kundenservice ist für uns Apotheker besonders wichtig. Dank der neuen Apotheken-Hotline wissen unsere Kunden mit einem Anruf, welche Apotheke in ihrer Nähe Dienst versieht", freut sich Mag.pharm. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer auf das Projekt.

In Österreich versehen jede Nacht, an Wochenenden und Feiertagen rund 350 Apotheken Bereitschaftsdienst. Die insgesamt 1280 Apotheken in Österreich wechseln sich ab, so dass jede Apotheke mehrmals im Monat auch in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen Bereitschaftsdienst leistet. In Grippezeiten werden an einem Wochenende bis zu zweihundert Kunden von einer dienstbereiten Apotheke versorgt. In besonders dünn besiedelten Gebieten müssen die wenigen Apotheken vor Ort mitunter jede Nacht erreichbar sein. Diese gesetzlich geregelte Serviceleistung wird nicht wie Spitäler oder Ärztenotdienste von der öffentlichen Hand oder der Krankenkasse bezahlt, sondern muss vom Apothekenbetrieb über den eigenen Umsatz finanziert werden.

In Österreich spielen die öffentlichen Apotheken eine wichtige Rolle als Gesundheitsnahversorger. Die Beratung und Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln ist das zentrale Anliegen der Apothekerschaft. Es zeigt sich, dass blinde und sehbehinderte Menschen bei der Arzneimitteleinnahme besonders betreut werden müssen. Die kleingeschriebenen Beipacktexte sind für diese Menschen nicht lesbar. "Blinde und sehbehinderte Menschen erhalten über die Apotheken-Hotline 1455 kompetente Antworten auf pharmazeutische Fragen direkt von der Apothekerin, dem Apotheker", sagt Dr. Christian Müller-Uri, Mitglied des Präsidiums der Österreichischen Apothekerkammer.


ots-Presseaussendung der Österreichischen Apothekerkammer vom 23. November 2010, hier zu finden
Direktlink  Kommentare: 0 geschrieben von Xylo am Donnerstag, 09.12.2010, 18:45
Eingeordnet unter: Allgemein, Interessantes, Pharmazie


Hat man Kopfschmerzen, Schnupfen oder Husten, so ist man froh, wenn das eingenommene Medikament brav seine Wirkung entfaltet... wie werden Medikamente im Körper aber wieder abgebaut?
Das geschieht durch Enzyme! Menschen haben aber unterschiedliche Varianten dieser Enzyme in ihren Genen festgelegt, was mit ein Grund ist, warum Medikamente bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirken.

Metabolisierende Enzyme werden in 2 Gruppen eingeteilt:
Phase-I-Enzyme modifizieren Stoffe durch Oxidation, Reduktion oder Hydrolyse,
Phase-II-Enzyme modifizieren Stoffe, indem sie diese mit endogenen Substituenten konjugieren, also z.B. mit Aminosäuren, Glucuronsäure, Schwefelsäure, Essigsäure, usw...


Ich will heute von den Cytochrom-P450-Enzymen schreiben, die zu den Phase-I-Enzymen gehören. Es sind Monooxygenasen, die aus dem Häm-Protein CYP450 und der CYP450-Reduktase aufgebaut sind und ubiquitär sind, also in quasi allen Lebewesen vorkommen. Bei Säugern werden sie in allen Organen, v.a. aber in der Leber, exprimiert.
(Zellulär gesehen findet man die CYP450-Enzyme im Endoplasmatischen Reticulum und an der inneren Mitochondrienmembran.)

Es sind verschiedene Cytochrom-P450-Enzyme bekannt:
Bei Enzyme der selben Familie müssen mind. 40% der Sequenz übereinstimmen (CYP1-Familie, CYP2-Familie, usw.).
Bei Enzymen der selben Unterfamilie müssen über 55% übereinstimmen (z.B. CYP2C, CYP2D,...).
Die Zahl am Schluss bezeichnet dann ein Enzym, z.B. das Enzym CYP2C9 oder das Enzym CYP2D6.
Beim Menschen gibt es 18 CYP-Familien, wobei die Familien 1, 2 und 3 an der Metabolisierung von Arzneimitteln beteiligt sind.
So ein Enzyme hat eine geringe Substratspezifität, d.h. es ist nicht sehr wählerisch, sondern verstoffwechselt verschiedenste Medikamente.

Genetische Polymorphismen
Von einem genetischen Polymorphismus spricht man, wenn eine Genvariation in einer Population auftritt und die Häufigkeit dieser Mutation über 1% liegt.
Will heißen: Menschen haben nicht alle die selben Enzyme und nicht gleich viel davon!
Ein Mensch produziert richtig viel vom richtigen Enzym (normaler Metabolisierer), ein anderer produziert das Enzym gar nicht (langsame Metabolisierer), wieder ein anderer produziert viel mehr dieses Enzyms (ultrarapide Metabolisierer) und noch ein anderer produziert ein fehlerhaftes Enzym, das nicht so gut funktioniert (intermediate Metabolisierer).

Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Medikamente vollkommen unterschiedlich abgebaut werden, während ein Mensch bei einer Dosis perfekt im Therapeutischen Bereich liegt, kann ein anderer (überspitzt gesagt) bei der selben Dosis Nebenwirkungen stärker verspüren, in den toxischen Bereich kommen, oder aber das Medikament so schnell abbauen, dass der therapeutische Bereich gar nicht erst erreicht wird.

Ein einziges fehlerhaftes Basenpaar beeinflusst die Wirkung des Enzyms enorm; es sind einige solcher Single-Nucleotide-Polymorphismen (SNP\'s) bekannt, wichtig in Bezug auf Arzneimittel sind Polymorphismen folgender Enzyme:
CYP2C9, CYP2C19 und CYP2D6

CYP2C9 metabolisiert z.B.
Vitamin-K-Antagonisten, wie Marcoumar
NSAIDs, wie Diclofenac, Ibuprofen

CYP2C19 metabolisiert z.B.
Protonenpumpenhemmer, wie Omeprazol
Antidepressiva, wie Citalopram, Moclobemid
Diazepam, Progesteron, Propanolol,...

CYP2D6 metabolisiert z.B.
Betablocker, wie Alprenolol, Metoprolol, Timolol,...
Antidepressiva, wie Fluoxetin, Clomipramin, Paroxetin,...
Antipsychotika, wie Haloperidol, Risperidon,...
Antiarrhythmika, wie Amiodaron, Ajmalin, Propafenon,...
Antihypertensiva, wie Urapidil
Opioide, wie Codein, Tramadol,...
Amphetamin und -derivate
Metoclopramid, Ondansetron

Die CYP3A-Familie metabolisiert einen großen Teil aller eingesetzten Arzneistoffe, hier sind keine genetischen Polymorphismen bekannt, aber die hepatische Expression variiert stark (bis zu 50-facher Variabilität), was wiederum zu einer bis zu 20-fach unterschiedlichen Verstoffwechselung führt.

Noch ein paar Fakten...
Interethische Unterschiede, wie diese Polymorphismen verteilt sind, gibt es.
Betrachtet man beispielsweise CYP2D6, so sind 6-8% der europäischen Bevölkerung langsame Metabolisierer, während dies auf weniger als 1% der asiatischen Bevölkerung zutrifft.
Es sind mehr als 70 verschiedene Polymorphismen des CYP2D6 bekannt, sie werden autosomal rezessiv vererbt.
Ca. 80% der europäischen Bevölkerung haben eine normale CYP2D6-Aktivität.
Eine DNA-Chip-Analyse ermöglicht es, herauszufinden, welcher Polymorphismus beim einzelnen Individuum vorliegt.

(Informationen aus Uni-Skripten.)
Direktlink  Kommentare: 3 geschrieben von Xylo am Dienstag, 09.11.2010, 19:58
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Vorwissen und Interessantes
Hämoglobin ist ein tetrameres Protein, das heißt, der Proteinanteil besteht aus 4 Untereinheiten. Wichtig für den Sauerstofftransport ist das Häm (die prosthetische Gruppe), in dessen Zentrum sitzt ein Eisenatom, das den Sauerstoff komplexiert, also sozusagen während des Transports "festhält".

Das Protein "schützt" das Häm, dieses alleine hätte eine 25.000-fach höhere Affinität zu Kohlenmonoxid als zu Sauerstoff, die Bindung wäre also quasi irreversibel. Die Proteinhülle senkt diese Vorliebe um den Faktor 100. Da in der Atemluft der Sauerstoff aber in hohem Überschuss vorliegt, wird auch noch die restliche 250-fach höhere Affinität wettgemacht.

Vergleicht man Hämoglobin, welches O2 im Blut transportiert und Myoglobin, das den Sauerstoff im Muskelgewebe übernimmt, so hat Myoglobin immer (egal welcher O2-Partialdruck herrscht) eine höhere Affinität zum Sauerstoff als das Hämoglobin. Das ist wichtig, damit der Sauerstoff ins Gewebe gelangt, wo er ja gebraucht wird...

Verschiedene Faktoren beeinflussen, ob ein Hämoglobinmolekül mehr oder weniger dazu geneigt ist, den Sauerstoff abzugeben. Dazu zählt 2,3-Bisphosphoglycerat (2,3-BPG)! Es bindet an das Hämoglobin und beeinflusst in die Richtung, dass der Sauerstoff lieber abgegeben wird.
(Auch Protonen und CO2 beeinflussen in diese Richtung.)


Wie gelangt aber der Sauerstoff vom mütterlichen Kreislauf in den des ungeborenen Kindes?
Das hängt mit den Untereinheiten des Proteinanteils zusammen, das tetramere Protein besteht aus 2 unterschiedlichen Paaren.
Erwachsene Menschen haben 2 alpha-Untereinheiten und 2 beta-Untereinheiten (übrigens trägt jede Untereinheit eine Hämgruppe).
Fetales Hämoglobin besteht hingegen aus 2 alpha- und 2 gamma-Untereinheiten. Dieses Hämoglobin kann 2,3-BPG nicht binden und hat daher eine höhere Affinität zum Sauerstoff als adultes Hämoglobin. So kann der Sauerstoff in der Plazenta vom mütterlichen Kreislauf gut in den des Kindes diffundieren.

(Genauer nachzulesen in "Biochemie" von Werner Müller-Esterl.)
Direktlink  Kommentare: 1 geschrieben von Xylo am Mittwoch, 20.10.2010, 22:00
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